Im August 2020 tätigte die Softwarefirma MicroStrategy ihr erstes öffentliches Investment in Bitcoin. Damals notierte die Kryptowährung noch unter 10.000 US-Dollar – ein Zeitpunkt, der sich rückblickend als goldrichtig erwies. Doch was als Absicherung gegen Inflation begann, hat sich unter der Führung von Michael Saylor zu einer totalen Transformation des Unternehmens entwickelt.
Das Jahr 2025 markierte dabei einen weiteren Wendepunkt: Mit der Umbenennung in Strategy Inc. unterstrich der Konzern seinen Fokus als reines „Bitcoin Treasury Company“. Ein Verkauf der Bestände ist für Saylor weiterhin tabu. Stattdessen nutzte das Unternehmen auch 2024 und 2025 jede Gelegenheit, um über Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen massiv Bitcoin nachzukaufen – selbst als der Kurs die 100.000 US-Dollar-Marke testete.
Doch die Volatilität bleibt ein Risiko. Während der Bitcoin-Kurs Ende 2025 um die 93.000 US-Dollar pendelt, notiert die Aktie von Strategy Inc. phasenweise sogar unter dem Wert ihrer eigenen Bitcoin-Bestände (Net Asset Value). Dennoch bleibt die Vision gigantisch: Kann das Unternehmen mit dieser Strategie zur wertvollsten Firma der Welt aufsteigen?
Unrealisierter Profit und ein neuer Name
Aktuell lacht niemand mehr über Michael Saylors „Bessenheit“. Strategy Inc. hält laut aktuellen Angaben vom Dezember 2025 die gigantische Summe von 660.624 Bitcoin. Damit kontrolliert das Unternehmen mehr als 3 Prozent aller Bitcoin, die jemals existieren werden. Diese Entwicklung lässt sich jederzeit über öffentliche Dashboards wie BitcoinTreasuries.net nachverfolgen, die die Bestände börsennotierter Unternehmen tracken.
Beim aktuellen Bitcoin-Kurs von rund 93.000 US-Dollar beläuft sich der Wert dieses Schatzes auf knapp 61,4 Milliarden US-Dollar. Aus dem einstigen Software-Mittelständler ist faktisch ein gehebelter Bitcoin-ETF mit operativem Geschäft geworden. Michael Saylor feiert diesen Erfolg regelmäßig auf der Plattform X (ehemals Twitter) und verweist darauf, dass seine Strategie traditionelle Assets wie Gold, Silber oder den S&P 500 in der Performance weit hinter sich gelassen hat.
Der Vergleich: David gegen Goliath
Trotz der massiven Gewinne bleibt der Abstand zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gewaltig. Die Marktkapitalisierung von Strategy Inc. liegt im Dezember 2025 bei rund 54 Milliarden US-Dollar (zeitweise sogar mit einem Abschlag zum Wert der gehaltenen Bitcoins).
Zum Vergleich:
- Strategy Inc.: ~54 Mrd. USD
- Bitcoin (Gesamtmarkt): ~1,85 Bio. USD
- Apple: ~4,2 Bio. USD
Apple hat seine Dominanz weiter ausgebaut und ist als erstes Unternehmen der Welt über die 4-Billionen-Dollar-Marke geklettert, wie die aktuellen Rankings von CompaniesMarketCap zeigen. MicroStrategy wirkt daneben immer noch wie ein kleiner Fisch. Doch die Mathematik der exponentiellen Gewinne könnte das Spielfeld in Zukunft verändern.
Rechnung: Bitcoin müsste auf über 6 Millionen Dollar steigen
Wie hoch müsste der Bitcoin-Kurs klettern, damit Strategy Inc. an Apple vorbeizieht?
Aufgrund der aggressiven Zukäufe der letzten Jahre besitzt das Unternehmen nun deutlich mehr Anteile am Bitcoin-Netzwerk als noch 2023. Das senkt den theoretisch nötigen Kurs, um Apple einzuholen.
Das Rechenmodell:
Geht man von der (fiktiven) Annahme aus, dass Apples Marktkapitalisierung bei 4,2 Billionen US-Dollar stagniert und Strategy Inc. keine weiteren Bitcoins kauft, müsste der Wert der 660.624 Bitcoins diese Summe erreichen.
Daraus ergibt sich ein Bitcoin-Preis von rund 6,36 Millionen US-Dollar pro Coin.
Das klingt nach Science-Fiction, doch für Michael Saylor liegt dies im Bereich des Möglichen. Jüngst passte er seine langfristigen Prognosen an und sprach davon, dass Bitcoin durch den Einsatz als globales „Digital Capital“ Preise von bis zu 10 Millionen US-Dollar erreichen könnte. Sollte dieses „Hyperbitcoinization“-Szenario eintreten, wäre Strategy Inc. nicht nur wertvoller als Apple, sondern das wohl reichste Unternehmen der Geschichte. Saylors ausführliche Thesen dazu finden sich oft in den Investor Relations Präsentationen des Unternehmens.
Fazit: Kurzfristig bleibt das Überholen von Apple unwahrscheinlich. Doch solange Strategy Inc. weiter akkumuliert und Bitcoin langfristig als Wertspeicher adaptiert wird, bleibt Saylors Wette das spannendste Experiment an der Wall Street.





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